Sollte das Trockenfutter für Hunde vor der Fütterung eingeweicht werden?

Trockenfutter contra Nassfutter

Durch den im Vergleich zum Nassfutter reduzierten Feuchtigkeitsgehalt ist Trockenfutter leichter zu transportieren, kann bequem portioniert werden und der Napf bleibt ebenso  sauber wie die unmittelbare Umgebung der Futterstelle. Gerade im Urlaub, z.B. beim Aufenthalt in einem Hotelzimmer, ergeben sich praktische Vorteile gegenüber Nassfutter. Zudem ist Trockenfutter nicht so geruchsintensiv wie Nassfutter und es wirkt auch optisch hygienischer, da sich insbesondere in den Sommermonaten in sehr kurzer Zeit schnell Fliegen am Nassfutter-Napf einfinden können.

Häufig hört man das Argument, dass Trockenfutter länger haltbar ist als Nassfutter und dass dadurch größere Vorräte angelegt werden können. Hochwertiges Nassfutter in Dosen ist allerdings auch 2 Jahre haltbar (ich hab‘ gerade auf die Dose geschaut), sodass ich diesen Vorteil bei Trockenfutter nicht sehe.

Von der Qualität her muss man sich heutzutage auch keine größeren Sorgen machen als beim Nassfutter, denn beide Varianten können genauso aus hochwertigen Komponenten bestehen wie auch aus minderwertigen Zutaten.

Zuerst sollte darauf geachtet werden, dass das Futter als „Alleinfutter“ gekennzeichnet ist. Damit ist zumindest gewährleistet, dass der  Hund mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt ist. Danach sollte man einen Blick auf die Auflistung der Inhaltsstoffe werfen, um künstliche Zusatzstoffe (E-Nummern), unnötige (nicht näher benannte) tierische Nebenerzeugnisse, Farbstoffe und Zucker zu vermeiden.

Auf lange Sicht gesehen ist Trockenfutter in der Regel etwas günstiger als Nassfutter, da dieses in der gleichen Menge energiereicher ist. Insbesondere bei größeren Hunderassen machen sich die Unterschiede in den Kosten bemerkbar. Sorgt Trockenfutter auch für gesündere Zähne? Ich kann dies bei meiner Hündin Mafi nicht bestätigen, da sie wie viele Hunde jedes Futter so schnell herunterschlingt als würde sie den Sinn ihrer Zähne noch nicht verstanden haben. Ein Kauartikel (z.B. Ochsenziemer) im Laufe des Tages bringt hier vermutlich mehr Vorteile als die Entscheidung für oder gegen Trockenfutter.

Risiko einer Magendrehung

Die Ursachen einer Magendrehung, die – wenn nicht umgehend operiert wird – sehr schnell zum Tod des Hundes führt sind bis heute noch nicht völlig geklärt. Es gibt aber Hinweise auf einige Risikofaktoren: Trockenfutter mit viel Fett und mit Zitronensäure (Ascorbinsäure) zählt auch dazu. Insbesondere, wenn dieses vorher noch stark durchfeuchtet wurde.  

Auftreten von Durchfall

Nassfutter hat einen Flüssigkeitsanteil von ca. 70% (Trockenfutter ca. 10%).  wodurch es (angeblich) zu Durchfall kommen kann.

Bei meiner Hündin Lucy war es jedoch genau anders herum: es kam in Verbindung mit Trockenfutter (auch verschiedener Sorten und Hersteller) nicht selten zu Durchfällen bzw. zu sehr weichem Kot. Ich habe daher auch bei ihr langsam auf Nassfutter umgestellt.

Flüssigkeitsbedarf bei Trockenfutter

Da dem Trockenfutter bei seiner Herstellung Wasser entzogen wurde, muss der Hund dieses durch vermehrtes Trinken nachträglich wieder ausgleichen. Doch selbst wenn er das macht, bleibt dennoch der Nachteil bei Trockenfutter, dass es zu einem unangenehmen Völlegefühl kommt, da dieses Futter im Magen des Hundes aufquillt. Noch unangenehmer wird es, wenn beim Hund das Sättigungsgefühl erst einsetzt, wenn er eine vergleichsweise hohe Menge an Trockenfutter gefressen hat – er also satt ist – und kurze Zeit später das Völlegefühl durch die Volumenzunahme unangenehm einsetzt. Es macht also durchaus Sinn, die Futtermenge abzuwiegen, damit das Tier nicht zu viel frisst und später zu Übergewicht neigt. Doch auch die „korrekte“ Ration an Trockenfutter quillt im Magen auf.

Dazu ein einfaches Experiment:

100 Gramm Trockenfutter nimmt je nach Sorte und mit einem Nussknacker grob zerkleinert  (aber nicht gemahlen) ungefähr ein Volumen von 200 ml ein. Fügt man Wasser hinzu und gießt nach 5 Minuten die überschüssige Menge ab, ist das Volumen auf 450 ml angestiegen. Also mehr als auf die doppelte Menge.

Dieses Experiment ist zwar stark vereinfacht und nicht im Labor durchgeführt worden, zeigt aber trotzdem die Tendenz bzw. die Nachteile einer Fütterung mit Trockenfutter, welches vorher nicht eingeweicht wurde: Der Hund muss nach der Fütterung eine große Menge an Flüssigkeit zu sich nehmen. Macht er das jedoch nicht ausreichend, besteht das Risiko von Verstopfungen, Blasensteinen und späteren Nierenerkrankungen.

Aus diesen Gründen halte ich es schon für sinnvoll, das Trockenfutter vor der Fütterung (nur) kurz einzuweichen – wenn man es unbedingt verwenden möchte. Vermutlich schmeckt es dadurch auch etwas besser, weil es saftiger geworden ist. Selbst probiert habe ich es allerdings noch nicht ,-) 

Es sollte durch das Einweichen jedoch kein Brei entstehen (Risiko einer Gärung -> saure Magendrehung), sondern vom Aussehen und der Konsistenz eher angebratenem Hackfleisch ähneln. Daher begrenze ich die Einweichzeit auf 5 Minuten.

Nassfutter zumischen

Mit einem Mix aus Nass- und Trockenfutter lassen sich die Vorteile beider Futterarten verbinden. Zum Einsatz kommt bei meinen Tieren hochwertiges Futter von zwei verschiedenen Herstellern, um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen, jedoch zur besseren Verträglichkeit nur eine einzige Futtersorte (Geflügel) und etwas gekochten Reis.

 

Behutsame Umstellung auf Nassfutter

Alle meine Hunde stammten aus dem Tierschutz. Ich gehe davon aus, dass diese Tiere in der Vergangenheit nur Trockenfutter bekamen. Und um eine stressarme Eingewöhnung zu gewährleisten, behalte ich nach der Übernahme des Tieres diese Fütterungsart bei, weiche das (Premium-)Trockenfutter allerdings ein und mische neben Reis noch geringe Mengen Nassfutter dazu. Der prozentuale Anteil an diesem Nassfutter wird im Laufe der Zeit dann gesteigert bis letztendlich kein Trockenfutter mehr zugemischt wird.

 

Anzahl der Mahlzeiten pro Tag.

Je größer die Rasse, desto besser ist es im Hinblick auf eine bessere Verträglichkeit und des Risikos einer Magendrehung, mehrere Mahlzeiten pro Tag zu geben. Jedes Tier hat seinen eigenen Napf – was eventuell an Futter übrig bleibt, wird eingesammelt für die nächste Mahlzeit. Katzen und kleinen bis mittleren Hunden würde ich grundsätzlich zwei Mahlzeiten geben. Größeren Rassen drei bis vier Mahlzeiten. Es gibt jedoch auch Stimmen unter Hundebesitzern, die raten grundsätzlich nur zu einer einzigen Hauptmahlzeit, weil das der natürlichen Ernährung am nächsten kommt und der Verdauungstrakt darauf ausgerichtet sei. Fragen Sie am besten beim nächsten Besuch Ihren Tierarzt, was für Ihren Hund die optimale Fütterung ist.

Nach dem Fressen kommen unsere Hunde für eine Stunde nicht in den Garten, damit sie nicht spielen bzw. toben. Danach können sie zwar nach draußen, werden aber von uns erst frühestens zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit zum Spielen oder Laufen aufgefordert. Auch auf die Hundewiese kommen sie erst nach Ablauf dieser Zeitspanne.