Fischtreppe Geesthacht: Wiederinbetriebnahme, Kritik und offene Fragen
Die Fischtreppe Geesthacht ist wieder in Betrieb – doch Naturschützer kritisieren weiter massive Defizite.
Ein Bauwerk mit großer Bedeutung
Die Fischtreppe in Geesthacht ist seit Jahren ein zentraler Baustein für die ökologische Durchgängigkeit der Elbe. Die Anlage am Nordufer, 2010 eröffnet und rund 550 Meter lang, soll Wanderfischen wie Lachs, Aal oder Stör den Weg über die Staustufe ermöglichen. Doch seit einer technischen Havarie im Jahr 2019 – einem strukturellen Versagen der Spundwände – steht das Projekt unter besonderer Beobachtung – und auch nach der Sanierung bleiben Zweifel.
Im Dezember 2023 meldete die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), dass die südliche Fischtreppe wieder in Betrieb sei. „Ich freue mich über die problemlose Bauabwicklung und die schnelle Wiederinbetriebnahme der südlichen Fischaufstiegsanlage an der Wehranlage Geesthacht“, sagte Tjark Hildebrandt, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe, in einer Mitteilung. Die Reparatur war notwendig geworden, nachdem 2019 Spundwände an der Anlage instabil geworden waren. Durch die Verschiebung der Stahlwände drang Wasser ein, sodass die Konstruktion nicht mehr sicher war und die Fischtreppe aus Sicherheitsgründen verfüllt werden musste.
Lob von Vattenfall – Kritik vom NABU
Auch Vattenfall, früher Betreiber der nördlichen Anlage, verwies bereits 2021 auf positive Ergebnisse. „Die Fischtreppe ist ein Erfolgsmodell. Im Rahmen eines sechs Jahre dauernden Monitorings konnten bisher 50 Arten nachgewiesen werden“, erklärte damals Robert Wacker, Geschäftsführer des Heizkraftwerks Moorburg. Für den Konzern war die Anlage ein Prestigeprojekt – und ein Beispiel dafür, dass technische Eingriffe und Naturschutz sich nicht ausschließen müssen.
Der NABU hingegen bewertet die Lage deutlich kritischer. In mehreren Stellungnahmen heißt es, die Staustufe sei „für Fische weitgehend unpassierbar“. Besonders die Zeit nach der Havarie sieht der Verband problematisch: Die verfüllte südliche Anlage und die betonierten Lockströmungsrinnen am Nordufer hätten die Situation für Wanderfische verschlechtert. Die provisorischen Überlaufrohre, die seit 2020 eine Lockströmung erzeugen sollen, seien aus Sicht des NABU lediglich ein Notbehelf.
Beobachtungen vor Ort
Bei einem Besuch der Anlage berichteten mir mehrere Angler, die dort regelmäßig fischen, dass sie kaum noch aufsteigende Fische beobachten. In den ersten Jahren nach der Eröffnung sei das anders gewesen, sagten sie. Heute zweifelten viele daran, dass die Tiere die Treppe überhaupt noch nutzen. Fachlich belegen lässt sich das nicht, doch die Wahrnehmung vor Ort zeigt, wie groß die Skepsis unter denjenigen ist, die den Lauf der Elbe täglich erleben.
Wie es weitergeht – und warum die Zeit drängt
Die WSV betont, dass mit der Sanierung ein wichtiger Schritt getan sei. Beide Fischtreppen seien notwendig, um die Durchgängigkeit der Elbe wiederherzustellen. Bis die gesamte Wehranlage jedoch grundlegend instandgesetzt ist, werden nach aktuellem Stand noch Jahre vergehen. Für Naturschützer ist das ein Problem, denn die EU‑Wasserrahmenrichtlinie setzt klare Fristen.
Ob die Fischtreppe am Ende wieder das leisten kann, was sie einmal versprach, bleibt offen. Klar ist nur: Die Diskussion um die ökologische Zukunft der Elbe wird Geesthacht noch länger beschäftigen.
Quellen:
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV): Pressemitteilung „Wiederinbetriebnahme der südlichen Fischaufstiegsanlage Geesthacht“, 13.12.2023.
- NABU Schleswig-Holstein: Stellungnahme zur Staustufe Geesthacht, diverse Veröffentlichungen 2019–2023.
- Vattenfall: Pressemitteilung „Monitoring bestätigt Artenvielfalt an der Fischtreppe Geesthacht“, 2021.
© Niels Romeikat, 2026
