Salzige Luft, Strandkörbe und endlose Weite: Cuxhaven-Duhnen ist mehr als ein Kurort – es ist ein Lebensgefühl in Nordseepastell.

Eine salzige Brise streicht mir über das Gesicht. Möwen kreischen schrill über dem Horizont und in der Ferne ertönt das dumpfe, rhythmisches Brummen eines Fischkutters, der sich gemächlich durch das unruhige Wattenmeer ächzt. Willkommen in Cuxhaven-Duhnen – einem Kurort, der wirkt, als hätte man ihn aus einem alten Reiseführer in die Gegenwart konserviert, voller Nostalgie und wohltuender Ruhe.

Duhnen im Morgengrauen

Wer früh aufsteht, erlebt Duhnen in seiner stillsten Schönheit. Ich schlendere barfuß durch das kühle Watt, während die Ebbe sich langsam zurückzieht. Der Horizont scheint endlos, und die Luft ist durchdrungen von salzigem Jod – ein natürliches Heilmittel für Haut, Atemwege und Seele. Spaziergänger begegnen sich mit einem freundlichen „Moin“, während die Sonne erste goldene Streifen über den Sand zieht.

Der Sandstrand in Duhnen ist auffällig sauber und gepflegt. Fast schon steril. Strandkörbe stehen bereit wie kleine Burgen für den täglichen Rückzug aus der hektischen Welt.

Historische Kur und moderne Anwendungen

Seit über 120 Jahren gilt Duhnen als Kurort. Die Besucher schätzen hier vor allem das milde Reizklima, das therapeutisch gegen Haut- und Atemwegserkrankungen eingesetzt wird. Das örtliche Kurangebot reicht von passiven Therapieformen wie Massagen bis zu aktiven Programmen mit viel Bewegung.

Eine junge Mutter vor dem „Thalasso-Zentrum ahoi!‘‘ erzählt mir, wie sie sich hier nach der Geburt erholt hat. Eine Auszeit, die sie sich nie gegönnt hätte, wäre da nicht die Empfehlung ihres Arztes gewesen.

Persönliche Begegnungen auf dem Deich

Der Deich zieht sich wie eine Lebensader kilometerweit bis hinauf zur Kugelbake – dem maritimen Wahrzeichen von Cuxhaven. Hier flanieren Touristen, joggen Einheimische und philosophieren Rentner auf Parkbänken. Ich treffe auf Herrn Haupt, einen Architekten aus Oldenburg, der seit über zwanzig Jahren jedes Jahr nach Duhnen kommt. „Hier sortiert sich alles neu“, sagt er und blickt auf das Wattenmeer. Er spricht von einem „inneren Aufräumen“, das ihm der Ort ermögliche. Ich verstehe, was er meint – die Klarheit der Landschaft scheint sich auf das Innere zu übertragen.

 

Der Zauber des Wattenmeeres

Unweit des Ortskerns beginnt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – UNESCO-Weltnaturerbe und lebendiger Organismus. Ich nehme an einer geführten Wattwanderung teil. Unsere Wattführerin – ein Energiebündel mit Gummistiefeln und Leidenschaft für Mikroorganismen – ist mit Rucksack und Spaten gut ausgerüstet für unsere 14-köpfige Expedition. Sie zeigt uns Muscheln, winzige Krebse und Wattwürmer, die hier im Schlick leben. Ich bin fasziniert von der Komplexität dieser scheinbar kahlen Landschaft.

Ich sehe Kinder fröhlich quietschend durch den jodfarbigen Schlamm glitschen. Und Erwachsene, die respektvollen Abstand zu den Prielen halten. Und ich denke: Nirgendwo wird das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur achtsamer gelebt als hier – selbst von Touristen.

Kulinarische Impressionen

Nach dem Ausflug ins Watt ist die Einkehr im „Strandgut“ Pflicht. Das kleine Restaurant mit Blick auf die Nordsee serviert u.a. Fisch, argentinische Riesengarnelen, Steak und Schnitzel. Auf der Speisekarte finden sich zudem auch „Grünzeugs“ oder „Strandgut für zwischendurch“. Für jeden Gaumen ist hier etwas Passendes dabei. Bei einem Glas Weißwein beobachte ich, wie sich die Sonne hinter einer watteförmigen Wolkenwand verabschiedet. Und aus der Ferne sendet mir die schwache Silhouette der Insel Neuwerk noch einen freundlichen Abendgruß zu.

Ein Ort, der für die Ewigkeit bleibt

Als ich mich später in meine Ferienwohnung zurückziehe, bleibt das Fenster geöffnet. Die Ruhe begleitet mich in den Schlaf. Duhnen ist kein Ort, den man in Eile besucht – er ist ein Aufenthalt in der Zeit, eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Vielleicht belebt genau das die heilende Wirkung von Körper und Geist. Und vielleicht finde ich auch deshalb – seit nunmehr knapp 50 Jahren – immer wieder unregelmäßig zu diesem wunderschönen Ort zurück.